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Jede zweite Brutvogelart bedroht – Vögeln über den Winter helfen

  • BIRDS

Der Winter schlägt aktuell Kapriolen. Mal weht ein eisiger Wind, dann wiederum sorgen warme Temperaturen für eine ungewöhnliche Januar-Atmosphäre. Darunter leidet auch die Tierwelt. Betroffen sind vor allem Vögel auf der Suche nach Nahrung. Kerstin Panhoff, Vorsitzende des NABU-Kreisverbandes Steinfurt, erklärt, wie Gartenbesitzer helfen können, damit die heimischen Arten über den Winter kommen.

Frau Panhoff, brauchen Vögel im Winter die Unterstützung des Menschen? Oder kämen sie auch ohne klar?

Kerstin Panhoff: Die Vogelwelt in Mitteleuropa unterlag in den letzten Jahrhunderten hinsichtlich ihrer Lebensräume und ihrer Nahrungsgrundlagen gravierenden negativen Veränderungen. Wesentlicher Verursacher struggle und ist der Mensch. 43 Prozent der 259 regelmäßig in Deutschland brütenden heimischen Vogelarten mussten im Jahr 2021 in die neueste Rote Liste der Brutvögel aufgenommen werden.

Somit gilt quick jede zweite Brutvogelart als bedroht. Um diesen Rückgang gefährdeter Vogelarten zu stoppen, sind weitreichende Maßnahmen notwendig. Gezielte Agrarumweltprogramme zählen dazu ebenso wie Maßnahmen zur Pestizidreduktion, die Förderung angepasster Mahdtermine oder das zeitweise Belassen von Stoppelfeldern nach der Ernte. Bis zur Wiederherstellung der natürlichen Lebensräume stellen die Zufütterung im Winter und auch die Ganzjahresfütterung eine notwendige Ersatzleistung dar, die einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz und zum Erhalt der Biodiversität leistet.

Nicht erst füttern, wenn der Nachtfrost schon da ist

In welchen Monaten oder unter welchen Bedingungen (Wetter/Temperaturen) sollte gefüttert werden?

Kerstin Panhoff: Mit dem Füttern erst dann zu beginnen, wenn die ersten strengen Nachtfröste einsetzen, ist häufig zu spät. Die Vögel müssen die Futterstellen finden, ohne sie erst lange suchen zu müssen. Am besten starting das Futterrangebot im September. Die Fütterung sollte bis in die Brutzeit fortgeführt werden, weil das natürliche Nahrungsangebot im Spätwinter minimal ist und die Anforderungen an die Kondition der Vögel wegen des Brutgeschäftes immer größer werden.

Welche Vogelarten tummeln sich im Winter in den Gärten?

Kerstin Panhoff: Es wird unterschieden zwischen Standvögeln und Teilziehern. Standvögel bleiben im Winter bei uns, wie zum Beispiel Amsel, Blaumeise und Kohlmeise, Haus- und Feldsperling, Rotkehlchen und Buntspecht. Die Teilzieher machen sich nur, wenn es zu kalt wird, auf in Richtung wärmerer Regionen. Dazu zählen Buchfinken-Weibchen, Goldammer, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Star, Stieglitz und Zilpzalp.

Des Menschen Speiseplan ist für Vögel ein Tabu

Worauf ist bei der Wahl des Futters zu achten?

Kerstin Panhoff: Als Futter grundsätzlich ungeeignet sind alle gewürzten und gesalzenen Reste aus dem menschlichen Speiseplan, insbesondere Brot- und Kuchenreste, Margarine, Butter, Kartoffeln und Pommes. Intestine geeignet sind netzfreie Meisenknödel, Streufuttermischungen aus Sonnenblumenkörnern, Hanf und Erdnüssen und Fettfutter mit Weizen- und Haferflocken sowie Apfelstückchen und Rosinen.

Für welche Vogelarten kauft man das Futter? Sollte man da auf etwas Bestimmtes achten – gibt es da bestimmte Vorlieben, Stichwort: Körner- oder Weichfutterfresser?

Kerstin Panhoff: Weichfutterfresser suchen sich ihre Nahrung bevorzugt am Boden. Reine Weichfutterfresser sind Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel, Star und Wacholderdrossel. Sie fressen tierische Kost oder nur sehr feine Sämereien wie beispielsweise Haferflocken, Mohn oder Kleie. Auch Rosinen und Obst werden gerne gefressen und sollten ebenfalls in Bodennähe angeboten werden. Für die Weichfutter- und Allesfresser eignen sich auch die Fett-Körner-Mischungen in Meisenknödeln und -ringen. Zu den Körnerfressern zählen beispielsweise Finken, Sperlinge und Ammern. Mit ihrem kräftigen Schnabel knacken sie Sonnenblumenkerne, Hanf und andere Sämereien unterschiedlicher Größe aus Futtermischungen.

Ein Futterhäuschen, das intestine für Vögel ist

Wie sollte ein Futterhäuschen aussehen und wo sollte es angebracht werden?

Kerstin Panhoff: Wichtigste Kriterien bei der Fütterung sind, dass das Futter trocken bleibt und die Vögel ihr Futter nicht verkoten können. Sehr hygienisch sind Futtersilos, da hier das Futter selten verdirbt und sich keine Nahrungsreste sammeln können. Außerdem bieten die Säulen Schutz vor Eichhörnchen und anderen Großvogel-Interessenten. Seitliche Sitzstangen erleichtern die Futteraufnahme deutlich.

Ein Futterhäuschen sollte eine Grundfläche von mindestens 0,25 Quadratmetern aufweisen, das Dach sollte als Regenschutz weit genug überstehen und von der Bodenfläche einen Mindestabstand von 30 Zentimetern haben. Außerdem sollte man darauf achten, dass das Futterhaus an einer für Vögel überschaubaren Stelle und 1,5 Meter über dem Boden steht, damit Katzen sich nicht unbemerkt anschleichen können. Ein Sicherheitsabstand von zwei Metern verhindert, dass Glasscheiben für die Vögel zur tödlichen Falle werden.

Regel für den Garten: Vielfalt schafft Vielfalt

Kann man auch durch die Beschaffenheit des eigenen Gartens etwas dazu beitragen, dass die Vögel genügend Futter haben?

Kerstin Panhoff: Gemäß dem Motto „Vielfalt schafft Vielfalt“ bietet ein naturnah angelegter Garten mit heimischen Gehölzen, Stauden und Kräutern die beste Ganzjahreshilfe für Vögel im Siedlungsbereich. Auch in den Kommunen des Kreises Steinfurt gibt es noch viel zu tun. Neben Dach- und Fassadenbegrünungen, strukturreichen Grünflächen und Parkanlagen mit altem Baumbestand und heimischen Wildpflanzen würden mehr Nisthilfen, eine Verminderung des Vogelschlags an Gebäuden und eine Verminderung der Lichtverschmutzung deutlich zum Erhalt der Artenvieltenfaltien.

Essentiell für den langfristigen Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist jedoch, wie eingangs erläutert, der Erhalt und die Wiederherstellung von vielfältigen, naturnahen Lebensräumen. Wer die Tipps zur Vogelfütterung beherzigt, macht Vögeln das Überleben im Winter nicht nur leichter, sie lassen sich so zudem auch prima beobachten. Wer dann auch daran viel Spaß hat, sollte sich folgenden Termin schon einmal merken: Vom 6. bis 8. Januar veranstaltet der NABU wieder die bundesweite Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“. Dabei sind Naturfreunde aufgerufen, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden.

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